- Arbeitete zeitweise als Fabrikarbeiter und entdeckte die Malerei als Autodidakt komplett isoliert von der akademischen Kunstszene.
- Gilt als bedeutender Vertreter der Outsider Art, dessen Werke durch die Entdeckung im Jahr 1967 schlagartig Aufmerksamkeit in der Kunstwelt erlangten.
- Verbrachte einen Großteil seines Lebens in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging bei Wien und gestaltete dort seine gesamte Umwelt – inklusive der Wände seines Zimmers – künstlerisch um.
- Schuf als einer der Kernkünstler des „Hauses der Künstler“ ein komplexes, privates Mythologiesystem aus eigenen Göttern, Symbolen und erfundenen Wörtern, was ihn zu einer Ikone der universellen Art Brut machte.
- Lebte in extremer Armut als nomadischer Schildermaler in Tiflis und tauschte seine Kunst oft nur gegen Essen und Unterkunft in lokalen Wirtshäusern (Dukans) ein.
- Seine intuitive, minimalistische Malweise auf schwarzem Wachstuch machte ihn posthum zu einem der weltweit einflussreichsten Pioniere der Naiven Kunst und Outsider Art.
- Emigrierte aus Polen nach Frankreich, verdiente seinen Lebensunterhalt als einfacher Handwerker und begann erst im fortgeschrittenen Alter im Ruhestand zu malen.
- Seine Bildwelten der Outsider Art sind tief in der nostalgischen Erinnerung an das osteuropäische jüdische Schtetl-Leben verwurzelt und zeichnen sich durch eine erzählerische, dichte Bildsprache aus.
- Verbrachte sein Leben als Hochseefischer und Händler für Schiffsproviant in Cornwall und fing erst nach dem Tod seiner Frau im Alter von 70 Jahren an zu malen, „um sich Gesellschaft zu leisten“.
- Nutzte Haushaltsfarben und unregelmäßige Pappkarton-Reste für seine maritimen Motive, womit er die britische Avantgarde und die Definition von autodidaktischer Outsider Art nachhaltig prägte.
- Hatte keinerlei Kontakt zur traditionellen Kunstwelt, lernte erst während des Militärdienstes selbstständig Lesen und Schreiben und arbeitete später als Maurer.
- Entwickelte als Autodidakt eine völlig eigenständige, oft mystische und figurative Bildsprache, bei der er die Farben häufig direkt mit den Fingern oder groben Pinseln auf die Leinwand auftrug.
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Quellen:
- **Sammlung Zander Archiv:** [sammlung-zander.de](https://www.sammlung-zander.de) _(Künstlerbiografien und Werkverzeichnisse von Wittlich, Walla, Heber, Wallis)_
- **Museum Gugging:** [museumgugging.at](https://www.museumgugging.at) _(Detaillierter Lebenslauf und künstlerischer Fokus zu August Walla)_
- **Outsider Art Fair Directory:** [outsiderartfair.com](https://www.outsiderartfair.com) _(Internationale Einordnung von Sava Sekulić und Nathan Heber)_
- **Raw Vision Magazine:** [rawvision.com](https://rawvision.com) _(Analysen zur Lebensgeschichte und den Malgründen von Alfred Wallis und Niko Pirosmani)_
- Verknüpfung von (sozialistischer) Feminismuskritik mit Wissenschafts- & Technologiestudien
- Kritik an klassischen Feminismen
- Sozialistischer Feminismus (Marxistisch)
- Radikaler Femininusmus (MacKinnon)
- *Cyborg-Image* gegen Identitätspolitik
- *Roberta's Contruction Chart 1* als Praktische Umsetzung
**Hauptteil**:
1. Theoretische Grundlage Haraways Cyborgs
2. Vorstellung des Kunstwerkes & der Künstlerin im Kontext der Roberta Breitmore Serie (1974-1978)
3. Roberta als Cyborg - Grenzüberschreitungen nach Haraway
4. Einordnung in die Epoche
5. Politische Dimension
6. Kritische Reflektion
**Fazit**:
Quellen:
Donna Haraway, "A Manifesto for Cyborgs", 1985
[Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe](https://zkm.de/system/files/field_media_file/2023/06/17/075733/2014-broschuere-lynn-hershman-leeson-civic-radar.pdf)
[Meredith Tromble (Hrsg.) & Lynn Hershmann, The Art and Films of Lynn Hershman Leeson, S. 104-107](https://books.google.com.sg/books?id=ZQ0cEQAAQBAJ&newbks=1&newbks_redir=0&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false)
- Konzept/Musik: Björk
- Regie: Chris Cunningham
- Produktion: Black Dog Films (Gary Knight, Pasi Johansson / Cindy Burnay)
-Cyborg = **Hybride aus Organismus und Maschine**– Fiktion _und_ soziale Realität (S. 3)
-Haraways Cyborg (1985) als Hybrid aus Maschine und Organismus, der binäre Kategorien unterläuft: Mensch/Maschine, Mann/Frau, Natur/Kultur
- Zwei Björk-Roboter: Weder eindeutig menschlich noch maschinell – Körpergrenze wird kontinuierlich neu hergestellt (Montage als Prozess, nicht Resultat)
- Keine Ursprungserzählung (kein „natürlicher" Körper vor der Maschine) → Haraways Konzept: Cyborg hat keine Ursprungsgeschichte im westlichen Sinne
- Überwindung anthropozentrischer Geschlechtlichkeit: Intimität und Begehren unabhängig von biologischem Geschlecht oder Reproduktion → „Cyborg replication is uncoupled from organic reproduction" (Haraway)
- Strukturelle Dissonanz: das Werk bejaht Technologie als Ort von Zärtlichkeit – entgegen dem kulturellen Topos der kalten, bedrohlichen Maschine
- Ironischer Mythos, der **keine Ursprungsgeschichte** kennt (kein Garten Eden, kein ödipaler Plot) (S. 4)
- Überwindung der großen Dualismen: Mensch/Tier, Organismus/Maschine, Körper/Geist, Natur/Kultur (S. 5–6)
- **„Wir sind Cyborgs“** – ontologische Aussage über die Verfasstheit spätmoderner Subjekte (S. 3)
- Politik der **Koalition statt Identität**– fragmentierte, strategische Bündnisse (S. 9–10)
**Für das Kunstwerk relevant:**
- Der Cyborg ist „resolutely committed to partiality, irony, intimacy, and perversity“ (S. 4) – genau das zeigt Roberta
- Keine Sehnsucht nach ursprünglicher Einheit: Roberta ist nicht geboren, sondern **konstruiert**
- Das Werk thematisiert Verbindung und Trennung gleichzeitig: Zwei Körper, die erst durch maschinelle Prozesse zur Verbindung fähig werden
- Montage als Metapher für dis:konnektive Prozesse: Herstellung von Verbindung erfordert Eingriff, Unterbrechung, Transformation
- Grenzüberschreitung als produktives Prinzip – nicht Auflösung, sondern Spannung zwischen Kategorien (Haraway: „pleasure in the confusion of boundaries")
- Globale Dimension: CGI-Technologie als transnationale Produktionsweise; das Werk entstand im Schnittpunkt britischer Postproduktionskultur und isländischer Musikavantgarde
- Das Weiß der Umgebung und die Sterilität des Settings evozieren gleichzeitig klinische Kontrolle und utopische Reinheit → Ambivalenz als dis:konnektives Merkmal
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#### 3. Roberta als Cyborg – vier Grenzüberschreitungen nach Haraway
**a) Mensch / Tier (Haraway, S. 5)**
- Roberta ist weder ganz Mensch noch ganz Maschine – sie existiert in einer Schwebe zwischen echt und gespielt
- Die _Construction Charts_ standardisieren den Körper wie eine biotechnische Prothese
**b) Organismus / Maschine (Haraway, S. 5–6)**
- Roberta lebt als **menschlicher Avatar**– ihre Existenz ist an Aufzeichnungstechniken (Fotografie, Dokumente) gebunden
- Mehrere Verkörperungen durch verschiedene Schauspielerinnen → **Replikation ohne Original** (vgl. Haraways „Replikation statt Reproduktion“, S. 16, Tabelle)
**c) Physisch / Nicht‑physisch (Haraway, S. 6–7)**
- Roberta existiert gleichzeitig **materiell** (Fotos, Mietverträge, Führerschein) und **immateriell** (Performance, Daten, später als KI)
- Haraway: Mikroelektronik und Codierung verwischen diese Grenze – die _Construction Charts_ sind ein solcher Code
**d) Selbst / Andere (Haraway, S. 30)**
- Wer ist das „Original“ Roberta? Wer der „Klon“? Die Unterscheidung wird unmöglich
- Haraways Liste problematischer Dualismen (_self/other, whole/part, reality/appearance_) wird durch die Serie praktisch vorgeführt
**Fazit**
_All Is Full of Love_ materialisiert Haraways cyborg-feministische Utopie ästhetisch: Intimität und Begehren werden aus biologischen, geschlechtlichen und humanen Kategorien herausgelöst und neu verhandelt. Gleichzeitig macht das Werk dis:konnektive Prozesse sichtbar – Verbindung entsteht nicht trotz, sondern durch Unterbrechung, Montage und Grenzverletzung. Das Werk steht damit exemplarisch für eine Globalisierungslogik, die Trennungen und Verbindungen als untrennbar verschränkt begreift.
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#### 4. Einordnung des Kunstwerks in seine Epoche
**Auswahlbibliografie**
**Kunsthistorische Einordnung:**
- Haraway, Donna. _A Cyborg Manifesto. Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century_. 1985. In: _Simians, Cyborgs and Women_. New York: Routledge, 1991, S. 149–181.
- Balme, Christopher / Dogramaci, Burcu / Wenzlhuemer, Roland. „Introduction." In: _Global Dis:connectivity_. De Gruyter, 2025.
- Angerer, Marie-Luise. „Postsexual Bodies. The Making of Desire, Digital." In: _Media Art Net_, 1999.
-Hershman Leeson geht über reine Performance hinaus: Sie schafft eine **dauerhafte, dokumentierte Parallelidentität**
- Vorläuferin von Postmoderne und Posthumanismus – lange bevor diese Begriffe im Kunstdiskurs etabliert waren
**Begründung für die Wahl des Werks:**
- Die _Construction Charts_ sind keine traditionellen Kunstobjekte, sondern **Bauanleitungen für Identität**– genau das, was Haraway als Cyborg‑Praxis beschreibt
- Das Werk antizipiert um ein Jahrzehnt Haraways theoretische Figur (1974–78 vs. 1985)
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#### 5. Politische Dimension: Cyborg‑Feminismus in der künstlerischen Praxis
**Laut ZKM‑Broschüre _Civic Radar_ (2014):**
- Hershman Leeson thematisiert die **Konstruiertheit von Weiblichkeit** als Reaktion auf die essentialistischen Feminismen der 1970er Jahre
- Roberta ist eine „simulierte Frau“ – sie zeigt, dass Geschlecht keine Natur, sondern eine **performative und technisch reproduzierbare Rolle** ist
- Die Künstlerin nutzt die Mittel der Medien und des Rechts (Ausweise, Verträge), um die **Macht von Dokumenten** über Identität zu entlarven
**Nach Meredith Tromble (2005):**
- Tromble analysiert die Roberta‑Serie als frühes Beispiel für **postmoderne Subjektkritik**
- Die Serie demonstriert, dass Identität **fragmentiert, multiplizierbar und archivierbar** ist – eine praktische Umsetzung von Haraways „partial identities“
- Besonders die _Construction Charts_ machen den **Herstellungsprozess** sichtbar und verweigern sich der Romantisierung eines authentischen Selbst
**Verbindung zu Haraways Politik:**
- Keine natürliche Gemeinschaft aller Frauen, sondern **bewusste, fragmentierte Bündnisse** (Koalition statt Identität)
- Roberta wird von mehreren Darstellerinnen getragen – eine **politische Affinitätsgruppe** avant la lettre
- Technologie wird nicht abgelehnt, sondern als **Werkzeug der Selbstermächtigung** genutzt – ganz im Sinne von Haraways „responsibility for boundaries“ (S. 4)
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#### 6. Kritische Reflexion
- Roberta ist nicht nur emanzipiert, sondern auch **Opfer**– Angststörungen, Depression, Suizidgedanken (dokumentiert in den Tagebüchern der Figur)
- Haraway betont: Der Cyborg ist **nicht unschuldig** (S. 4). Technologisierte Identität kann neue Formen der Entfremdung schaffen
- Die Ambivalenz des Werks macht seine Stärke aus: Es zeigt weder eine Utopie noch eine Dystopie, sondern eine **widersprüchliche, reale Möglichkeit**
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### Fazit / Hauptgedanken
- **Roberta’s Construction Chart 1** ist ein gelebtes Cyborg‑Experiment: eine Identität, die nicht geboren, sondern gebaut ist – aus Make‑up, Dokumenten, Fotografien und mehreren Körpern.
- Das Werk macht sichtbar, was Haraway theoretisiert: Identität als **Konstruktion**, nicht als Essenz; **Fragmentierung** statt Ganzheit; **ironische Verantwortung** statt romantischem Rückzug ins Natürliche.
- Die **„Bauanleitung“** (Construction Chart) ist das zentrale politische Werkzeug des Cyborg‑Feminismus: Sie zeigt, dass Grenzen (zwischen Selbst und Anderem, echt und gespielt, weiblich und männlich) gemacht werden – und daher auch anders gemacht werden können.
- **„Lieber ein Cyborg als eine Göttin“** – Hershman Leeson entscheidet sich für die konstruierte Kunstfigur, nicht für die organische Ganzheit.
- Das Kunstwerk ist ein **Laboratorium für postmoderne, posthumanistische Politik**– und ein notwendiger Kommentar zu Haraways Theorie, der deren Ambivalenzen konkret werden lässt.
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Referat:
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