Files
Notes/Semester/14. SoSe 26/Dissonanzen Gestalten/Referat.md
T
2026-06-08 20:31:51 +02:00

96 lines
4.6 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters
This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.
---
title: Referat - Note
short_desc:
tags:
- Note
- Uni
timestamp: 27.05.2026 - 11:40
path:
public: true
update: true
editor: markdown
uuid: "1779874846234"
---
# Präsi
![](https://www.youtube.com/watch?v=bRnMiNNYUzY)
# Thesenblatt
**Akademie/Institution:** HbK Bs **Veranstaltungstitel:** Dissonanzen Gestalten
**Semester:** SoSe 26
**Dozentin:** Hanni Geiger
**Datum:** 6.6.2026
**Referentin/Referent:** Phil Keier
---
### Björk / Chris Cunningham _All Is Full of Love_ (1999)
#### Postbinäre Cyborgs und dis:konnektive Globalisierungsprozesse
---
**Technische Daten**
- Konzept/Musik: Björk
- Regie: Chris Cunningham
- Produktion: Black Dog Films (Gary Knight, Pasi Johansson / Cindy Burnay)
- Kamera: John Lynch
- Post-Produktion: Glassworks (Software: Softimage, Flame)
- Gattung: Musikvideo
- Länge: 4:10 (Video-Edit, YouTube)
- Erscheinungsjahr: 1999 (Single-Release: 24. Mai 1999)
- Land: Großbritannien
- Drehort: Bray Studios / Greenford Studios, England
- Single aus dem Album _Homogenic_ (1997), Label: One Little Indian / Elektra
---
**Beschreibung**
- Sterile, weiß-klinische Umgebung mit japanisch anmutendem Ambiente
- Zwei androgynen Roboterfiguren mit Björks Gesichtszügen werden von Roboterarmen montiert, verdrahtet, vervollständigt
- Während des Zusammenbaus: Zuwendung, Berührung, schließlich intimer Kuss der beiden Figuren
- Gesichtsmasken aus Porzellan/Keramik-Ästhetik; Körper weiß, glatt, geschlechtsambig
- Kein eindeutiges biologisches Geschlecht erkennbar
- Kameraführung: langsame, fließende Bewegungen; hoher Weißanteil; weiche Lichtsetzung
- Schnitttechnik: überblendend, mehrschichtig (laut Cunningham vier Ebenen pro Einstellung)
---
**Sachbezogene Analyse / Interpretation**
**1. Postbinäre Cyborgs & Cyborg-Feminismus (Haraway)**
- Haraways Cyborg (1985) als Hybrid aus Maschine und Organismus, der binäre Kategorien unterläuft: Mensch/Maschine, Mann/Frau, Natur/Kultur
- Zwei Björk-Roboter: Weder eindeutig menschlich noch maschinell Körpergrenze wird kontinuierlich neu hergestellt (Montage als Prozess, nicht Resultat)
- Keine Ursprungserzählung (kein „natürlicher" Körper vor der Maschine) → Haraways Konzept: Cyborg hat keine Ursprungsgeschichte im westlichen Sinne
- Überwindung anthropozentrischer Geschlechtlichkeit: Intimität und Begehren unabhängig von biologischem Geschlecht oder Reproduktion → „Cyborg replication is uncoupled from organic reproduction" (Haraway)
- Strukturelle Dissonanz: das Werk bejaht Technologie als Ort von Zärtlichkeit entgegen dem kulturellen Topos der kalten, bedrohlichen Maschine
**2. Dis:konnektivität (Balme / Dogramaci / Wenzlhuemer)**
- Das Werk thematisiert Verbindung und Trennung gleichzeitig: Zwei Körper, die erst durch maschinelle Prozesse zur Verbindung fähig werden
- Montage als Metapher für dis:konnektive Prozesse: Herstellung von Verbindung erfordert Eingriff, Unterbrechung, Transformation
- Grenzüberschreitung als produktives Prinzip nicht Auflösung, sondern Spannung zwischen Kategorien (Haraway: „pleasure in the confusion of boundaries")
- Globale Dimension: CGI-Technologie als transnationale Produktionsweise; das Werk entstand im Schnittpunkt britischer Postproduktionskultur und isländischer Musikavantgarde
- Das Weiß der Umgebung und die Sterilität des Settings evozieren gleichzeitig klinische Kontrolle und utopische Reinheit → Ambivalenz als dis:konnektives Merkmal
---
**Fazit**
_All Is Full of Love_ materialisiert Haraways cyborg-feministische Utopie ästhetisch: Intimität und Begehren werden aus biologischen, geschlechtlichen und humanen Kategorien herausgelöst und neu verhandelt. Gleichzeitig macht das Werk dis:konnektive Prozesse sichtbar Verbindung entsteht nicht trotz, sondern durch Unterbrechung, Montage und Grenzverletzung. Das Werk steht damit exemplarisch für eine Globalisierungslogik, die Trennungen und Verbindungen als untrennbar verschränkt begreift.
---
**Auswahlbibliografie**
- Haraway, Donna. _A Cyborg Manifesto. Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century_. 1985. In: _Simians, Cyborgs and Women_. New York: Routledge, 1991, S. 149181.
- Balme, Christopher / Dogramaci, Burcu / Wenzlhuemer, Roland. „Introduction." In: _Global Dis:connectivity_. De Gruyter, 2025.
- Angerer, Marie-Luise. „Postsexual Bodies. The Making of Desire, Digital." In: _Media Art Net_, 1999.
- Medienkunstnetz-Eintrag: [http://www.medienkunstnetz.de/works/all-is-full-of-love/](http://www.medienkunstnetz.de/works/all-is-full-of-love/)
Referat:
- Zeigen des Videos falls möglich
- Eingehen auf spezifika
-