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27.05.2026 - 11:40 | Referat - Note |
Präsi
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Tasks
- Thesenpapier erstellen
- 1-2 Seiten Stickpunkte
- Zusammenfassung des Referats
- Referatskonzept vorstellen
- Präsi erstellen
Thesenblatt
Akademie/Institution: HbK Bs Veranstaltungstitel: Dissonanzen Gestalten Semester: SoSe 26 Dozentin: Hanni Geiger Datum: 6.6.2026 Referentin/Referent: Phil Keier
Björk / Chris Cunningham – All Is Full of Love (1999)
Postbinäre Cyborgs und dis:konnektive Globalisierungsprozesse
Technische Daten
- Konzept/Musik: Björk
- Regie: Chris Cunningham
- Produktion: Black Dog Films (Gary Knight, Pasi Johansson / Cindy Burnay)
- Kamera: John Lynch
- Post-Produktion: Glassworks (Software: Softimage, Flame)
- Gattung: Musikvideo
- Länge: 4:10 (Video-Edit, YouTube)
- Erscheinungsjahr: 1999 (Single-Release: 24. Mai 1999)
- Land: Großbritannien
- Drehort: Bray Studios / Greenford Studios, England
- Single aus dem Album Homogenic (1997), Label: One Little Indian / Elektra
Beschreibung
- Sterile, weiß-klinische Umgebung mit japanisch anmutendem Ambiente
- Zwei androgynen Roboterfiguren mit Björks Gesichtszügen werden von Roboterarmen montiert, verdrahtet, vervollständigt
- Während des Zusammenbaus: Zuwendung, Berührung, schließlich intimer Kuss der beiden Figuren
- Gesichtsmasken aus Porzellan/Keramik-Ästhetik; Körper weiß, glatt, geschlechtsambig
- Kein eindeutiges biologisches Geschlecht erkennbar
- Kameraführung: langsame, fließende Bewegungen; hoher Weißanteil; weiche Lichtsetzung
- Schnitttechnik: überblendend, mehrschichtig (laut Cunningham vier Ebenen pro Einstellung)
- Replica der Roboter wurden 2002 im MoMA NY ausgestellt
Sachbezogene Analyse / Interpretation
1. Postbinäre Cyborgs & Cyborg-Feminismus (Haraway)
- Haraways Cyborg (1985) als Hybrid aus Maschine und Organismus, der binäre Kategorien unterläuft: Mensch/Maschine, Mann/Frau, Natur/Kultur
- Zwei Björk-Roboter: Weder eindeutig menschlich noch maschinell – Körpergrenze wird kontinuierlich neu hergestellt (Montage als Prozess, nicht Resultat)
- Keine Ursprungserzählung (kein „natürlicher" Körper vor der Maschine) → Haraways Konzept: Cyborg hat keine Ursprungsgeschichte im westlichen Sinne
- Überwindung anthropozentrischer Geschlechtlichkeit: Intimität und Begehren unabhängig von biologischem Geschlecht oder Reproduktion → „Cyborg replication is uncoupled from organic reproduction" (Haraway)
- Strukturelle Dissonanz: das Werk bejaht Technologie als Ort von Zärtlichkeit – entgegen dem kulturellen Topos der kalten, bedrohlichen Maschine
2. Dis:konnektivität (Balme / Dogramaci / Wenzlhuemer)
- Das Werk thematisiert Verbindung und Trennung gleichzeitig: Zwei Körper, die erst durch maschinelle Prozesse zur Verbindung fähig werden
- Montage als Metapher für dis:konnektive Prozesse: Herstellung von Verbindung erfordert Eingriff, Unterbrechung, Transformation
- Grenzüberschreitung als produktives Prinzip – nicht Auflösung, sondern Spannung zwischen Kategorien (Haraway: „pleasure in the confusion of boundaries")
- Globale Dimension: CGI-Technologie als transnationale Produktionsweise; das Werk entstand im Schnittpunkt britischer Postproduktionskultur und isländischer Musikavantgarde
- Das Weiß der Umgebung und die Sterilität des Settings evozieren gleichzeitig klinische Kontrolle und utopische Reinheit → Ambivalenz als dis:konnektives Merkmal
Fazit
All Is Full of Love materialisiert Haraways cyborg-feministische Utopie ästhetisch: Intimität und Begehren werden aus biologischen, geschlechtlichen und humanen Kategorien herausgelöst und neu verhandelt. Gleichzeitig macht das Werk dis:konnektive Prozesse sichtbar – Verbindung entsteht nicht trotz, sondern durch Unterbrechung, Montage und Grenzverletzung. Das Werk steht damit exemplarisch für eine Globalisierungslogik, die Trennungen und Verbindungen als untrennbar verschränkt begreift.
Auswahlbibliografie
- Haraway, Donna. A Cyborg Manifesto. Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century. 1985. In: Simians, Cyborgs and Women. New York: Routledge, 1991, S. 149–181.
- Balme, Christopher / Dogramaci, Burcu / Wenzlhuemer, Roland. „Introduction." In: Global Dis:connectivity. De Gruyter, 2025.
- Angerer, Marie-Luise. „Postsexual Bodies. The Making of Desire, Digital." In: Media Art Net, 1999.
- Medienkunstnetz-Eintrag: medienkunstnetz.de
Referat:
- Zeigen des Videos falls möglich
- Eingehen auf spezifika